Ungleiche Brüder

ARD 2018-19

Ungleiche Brüder

Europas Aufbruch in eine neue Wildnis?

Die Rückkehr der Wölfe nach Mittel- und Westeuropa ist ein schwieriger, oft konfliktreicher Prozess. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein uralter, in Vergessenheit geratener Weggefährte des Men­schen: der Herdenschutz- oder Hirtenhund. Am Beispiel eines alten wilden Wolfs­landes auf der einen und Deutschlands auf der anderen Seite sehen wir, wie diese beiden un­glei­chen Brüder mit ihren konträren Lebenswegen und Posi­tionen eine zentrale Rolle im Naturschutz haben und zu einem neu­en Natur- und Wildnisverständis in Europa beitragen können.

Davon wollen wir erzählen: Von der Rückkehr der Wölfe und der daraus resultierenden Wiederkehr der Herdenschutzhunde und wie und warum beide zusammen die Tür für ein neues Nebeneinander von "Wildnis" und Kulturland im modernen Mitteleuropa öffnen können. Mit berührenden Beob­acht­un­gen vom Aufwachsen von Hundewelpen in einer Schafherde auf der einen und von Wolfswelpen in einer Wolfsfamilie auf der anderen Seite. Zwei eng verwandte und doch so ferne Protagonisten mit ganz unterschiedlichen Entwicklungen und Aufgaben: Der eine schützt den Besitz der Menschen, seine Tierherden. Der andere bewahrt die Gesundheit der Natur. Ein Beutegreifer, der vor allem kran­ke und schwache Wildtiere selektiert, aber auch Schafe und Zie­gen nicht verabscheut. Wir erleben die unter­schied­liche Sozi­ali­sation der beiden: Der junge Hund be­trach­tet seine Schafherde als Familie, der junge Wolf wächst in sein Ru­del hinein. Dabei bewegen wir uns an zwei verschiedenen Or­ten in Euro­pa. Im dicht besiedelten Mittel­europa und in wildnisnahen Regionen Süd­europas. Mit großen Bildern ur­wüchsi­ger und neu­wachse­nder Landschaften. Euro­päi­sche Kultur­land­schaf­ten als spannungsgeladene Bühne, auf der zugleich un­ser Verhältnis zu Natur und Wildnis sicht­bar und be­han­delt wird.

In natürlicher Abneigung ver­bunden, können sich Wolf und Hund auf verblüffende Weise gegenseitig nützen und schützen. Ge­setzlich ist der Wolf eine nach EU-Recht streng geschützte Tierart, zumal er als großer anpassungs­fähiger Beutegreifer ökologisch eine zentrale Rolle für unser Ökosystem inne hat. Daher müs­sen die Menschen nun geeig­nete Wege finden, um mit dieser neuen und zugleich uralten Tierart in ihrer Mitte ein möglichst fried­volles Aus­kommen zu finden. Ein entscheidender Gehilfe bei diesem Prozess ist der Herdenschutzhund. Ein ur­alter Weggefährte des Menschen, der stets maßgeblich dazu beige­tra­gen hat, dass Mensch und Wolf einander nicht zu sehr in die Quere kommen. Seine Renaissance kann ein Schlüssel für die nach­haltige Rückkehr der Wölfe und anderer großer Beutegreifer in ihre al­ten Stammesgebiete sein. Und zugleich ein Schlüssel für den Auf­bruch für ein neues Natur- und Wild­nis­verständnis im Europa des 21. Jahrhunderts. 

Länge: 45/52 Min.
Produktion: 2018-19 für ARD