Wildes Deutschland - Die Rhön

ARD, arte 2016

Wildes Deutschland - Die Rhön

Das Biosphärenreservat Rhön im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen beheimatet Schwarzstörche in urigen Buchenwäldern, Kathedralen von Basaltfelsen, Moore und eiszeitliche Blockschutthalden, Uhus und Wiesenweihen. Auch Borstgrasrasen und Bergwiesen mit Arnika und Türkenbund. Traditionelle Mähwiesen mit Wachtelkönig und Birkhuhn und nicht zuletzt orchideenreiche Kalkmagerrasen voller Schmetterlinge, mit Raritäten wie der Berghexe..

Seit Urzeiten ist diese Gebirge besiedelt. Auf der Milseburg hatten bereits die Kelten ein 1.000 Einwohner großes Oppidum. Bis ins 10. Jahrhundert gehörte die Rhön zum Altgau Buchonia, dem Buchenland, das schon die Römer kannten. Im Mittelalter zogen bedeutende Handelsstraßen über die Rhön, deren Hochflächen nun fast völlig waldfrei waren. Damals entstand die Lange Rhön, ein offener 70 Kilometer langer Höhenzug mit Burgen und Dörfern, das Land der offenen Fernen. In keinem anderen Mittelgebirge hat man daher bis heute so weite Blicke wie in der Rhön. Ein uraltes Wiesen- und Weideland. Einzigartig in Mitteleuropa!
Auch geologisch ist die Rhön ungewöhnlich und vielfältig. Ihr Zentrum, in Hessen und Bayern, beherrschen vulkanische Deckgesteine mit Basaltwänden und Blockschutthalden. Unter einigen von ihnen verbergen sich bis heute eiszeitliche Gletscherlinsen und verströmen eisige Kälte. Im Süden und Osten, auf bayerischer und thüringischer Seite, dominieren Meeresablagerungen aus Muschelkalk und Keuper. Den Grundsockel stellen Buntsandsteine. Kein anderes Mittelgebirge ist geologisch so bunt wie die Rhön.
Wegen ihrer einzigartigen Geschichte und Vielfalt wurde die Rhön 1992 zum UNESCO-Biosphärenreservat ernannt. Und Natur und Charakter der Rhön liegen gerade in ihrer Vielfalt: eine einzigartige Reichhaltigkeit von Lebensräumen und eine damit verbundene, weit überdurchschnittliche Menge an Tier- und Pflanzenarten. Ihre zentrale geografische Lage in Mitteleuropa und die aus wissenschaftlicher Sicht ideale Vernetzung von offenen und bewaldeten Lebensräumen machen die Rhön darüber hinaus zu einem entscheidenden Knotenpunkt für wandernde Tierarten wie Wolf, Luchs und Wildkatze.

Der Film folgt einfühlsam und bewegt Tieren und Pflanzen, Landschaft und Lebensräumen durch die Jahreszeiten. Er legt besonderes Augenmerk auf die visuellen Zwischenreiche: die Zeit, wenn der Tag erwacht und sich abends die Nacht ausbreitet – Zeiten des Zwielichts und der blauen Stunde. Bisweilen folgt die Kamera ihren Protagonisten sogar bis in die Nacht hinein. Dadurch gewinnt der Film eine besondere Ästhetik und Spannung, die durch eine gefühlvolle, den Situationen und Stimmungen folgende Musik verstärkt wird. So fängt er in besonderem Maß die emotionale Seite der Rhön ein und folgt ihr im Jahreskreislauf der Natur.

Buch, Regie & Kamera: Heribert Schöller
Schnitt:
Mücke Hano 
Musik: Hannes Gill und das Filmmusik-Orchester der Kunstuni Graz
Länge: 45 Min. 
Produktion: 2014-16 für BR, hr, arte